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30.09.2025
#Arbeit und Personal

Employer of Record (EOR) in Belgien: endlich Klarheit, aber kein Freifahrtschein

Employer of Record (EOR) – das klingt wie der ideale Weg, um schnell internationale Talente zu rekrutieren, ohne lokale Niederlassung oder rechtliche Probleme. Weltweit ist diese Konstruktion auf dem Vormarsch. Wer jedoch glaubt, dass dies in Belgien einfach so „möglich” ist, wird seit kurzem eines Besseren belehrt. Die flämische Regierung hat offiziell bestätigt, dass EOR-Dienstleistungen unter die Zulassungspflicht für Zeitarbeitsfirmen fallen. Und das verändert die Spielregeln grundlegend. 

Diese belgische Massnahme ist für diejenigen, die unsere Arbeitsgesetzgebung kennen, keine Überraschung, aber ein klarer Weckruf für ausländische EOR-Anbieter und ihre Kunden. 

EOR: einfaches Konzept, komplexe Praxis 

Theoretisch ist EOR einfach: Eine externe Partei (der EOR) wird zum rechtlichen Arbeitgeber des Arbeitnehmers, während der Auftraggeber die tägliche Leitung behält. Was jedoch in den USA, den Niederlanden oder Estland „funktioniert”, führt in Belgien schnell zu rechtlichen Konflikten. Denn hier gilt folgende Regel: Die Übertragung der Arbeitgeberschaft an Dritte ist streng reguliert – und in den meisten Fällen sogar verboten, es sei denn, man ist als Zeitarbeitsfirma in Belgien zugelassen. 

Internationale EOR-Anbieter haben diese Nuance zu oft ignoriert. Sie konzentrierten sich auf Schnelligkeit und Bequemlichkeit, vergaßen dabei aber ein belgisches Detail: das Gesetz über Leiharbeit. Das ist nicht optional. Und das ist keine semantische Frage, sondern eine entscheidende Voraussetzung, um überhaupt rechtmäßig operieren zu können. 

Von der Grauzone zur klaren Linie 

Jahrelang operierten EOR-Dienste in einer rechtlichen Grauzone. Viele ausländische Parteien interpretierten die belgischen Vorschriften großzügig oder … gar nicht. Seit 2025 gibt es jedoch keinen Interpretationsspielraum mehr: Ein EOR ohne Zulassung verstößt schlichtweg gegen das Gesetz. 

Was sich jedoch geändert hat – und das ist wichtig – ist, dass die frühere Höchstdauer von sechs Monaten für Leiharbeit heute flexibler gehandhabt wird. Selbst unbefristete Verträge können künftig unter die Anerkennungsregelung fallen. Diese Lockerung steht im Einklang mit dem föderalen Koalitionsvertrag, der internationale Beschäftigung als strukturelle Notwendigkeit anerkennt. Und das ist eine gute Nachricht. 

EOR ohne Zulassung? Ein Risiko, keine Innovation 

Lassen Sie uns klarstellen: In Belgien ist ein EOR ohne Zulassung keine clevere Innovation, sondern eine juristische Zeitbombe. 

Wer heute noch EOR-Dienstleistungen ohne Kaution, ohne Zulassung und ohne lokalen Ansprechpartner anbietet, riskiert nicht nur Geldstrafen, sondern auch Reputationsschäden – für sich selbst und für den Auftraggeber. Compliance ist dabei kein Hindernis, sondern ein Alleinstellungsmerkmal. 

Ein zugelassener EOR zeigt, dass er den belgischen Arbeitsmarkt ernst nimmt. Genau darin liegt die Chance: Vertrauen aufbauen, indem man sich für Qualität, Transparenz und Rechtssicherheit entscheidet. 

Ein reguliertes Modell als Qualitätslabel 

Auf den ersten Blick erscheint der belgische Ansatz streng. Aber genau das macht ihn interessant. In einem internationalen Markt, in dem EOR-Anbieter wie Pilze aus dem Boden schießen, wird das belgische Modell zu einem möglichen Qualitätslabel. 

Wer heute in Zulassung, Transparenz und rechtliche Robustheit investiert, positioniert sich als zuverlässiger Partner. Nicht trotz, sondern dank der belgischen Vorschriften. 

Auch für die zugelassenen belgischen Zeitarbeitsagenturen eröffnet dies neue Perspektiven. Mit ihrer Infrastruktur, ihrem Compliance-Know-how und ihrer bestehenden Zulassung sind sie perfekt positioniert, um neue EOR-Dienstleistungen innerhalb eines rechtlichen Rahmens anzubieten. 

Fazit: EOR in Belgien ist erwachsen geworden 

Die Zeit der Interpretationen und Unverbindlichkeit ist vorbei. EOR in Belgien ist nicht mehr etwas, das man zwischen den Zeilen ausprobieren muss. Es ist eine Dienstleistung, die klare rechtliche Konturen erhalten hat. Und das ist gut so. Nicht um zu bestrafen, sondern um zu schützen: Arbeitgeber, Arbeitnehmer und den Arbeitsmarkt als Ganzes. 

Für Unternehmen, die ohne Risiken international rekrutieren möchten, bleibt EOR ein leistungsstarkes Instrument – vorausgesetzt, man hält sich an die Regeln. 

© Van Havermaet International 2025